Guter Rat ist teuer

Bestimmt kennen wir alle dieses Sprichwort. Oder sagen wir die Meisten von uns. Und doch tun wir uns schwer damit, denn um guten Rat einzuholen, muss ich mir eingestehen, dass ich nicht auf Alles eine Antwort habe, dass ich ab und an auf Unterstützung, eben einen guten Rat angewiesen bin.
Doch heutzutage wird mit Ratschlägen nur so um sich geworfen. Nachgerade wird damit inflationär umgegangen. Medial wird uns in Printmedien und im Fernsehen dauernd irgendetwas geraten, oder irgendetwas vermeintlich Gutes empfohlen.
Immerfort und ungefragt.
Ich frage mich wozu? Geht es Dir auch so?
Was ist in den letzten Jahren geschehen, dass diese wohlfeilen Ratschläge unaufhörlich auf mich herabrieseln, ungefragt an mich gerichtet werden?
Habe ich etwa verlernt ‚guten Rat‘ zu erfragen, oder mich bei einer mir vertrauten Person einen ‚guten Rat‘ einzuholen?

Nun, ich habe festgestellt, dass es Personen gibt, die ihre Ratschläge bei ‚Google‘ oder seit kurzem bei der ‚KI‘ holen. Andere kaufen ganze Buchbände von Ratgebern, andere wiederum schwören auf Fachpersonen verschiedenster ‚Couleur‘. Gerade die Fachexperten schossen in den vergangenen Jahren, wie Pilze aus dem Boden. Es gibt wohl kein Medium (Radio, TV, Print, Internet, etc.), das nicht über ein Heer von Ratgebern verfügen würde. Auch in der Politik schossen sie überall hervor und stehen unseren Politikern mit gut Gemeintem zur Verfügung: Lobbyisten und NGO’s in zig Fachgremien – in der Gesellschaft haben sie einen verschleiernden Namen bekommen: Influencer.
Grauenhaft!

Dabei kann sich jemand glücklich schätzen, der Personen seines Vertrauens kennt und sie um einen guten Rat fragen kann.
Wie Wertvoll!

Das erinnert mich an eine Geschichte, die sich im 9. Jahrhundert vor Christus ereignet hatte. Das Alte Israel eines David war bereits vorbei. Im Nordreich (Israel) herrschte König Ahab, der schon seit drei Jahren Krieg mit dem Nachbarland Aram führte. Um endlich einen entscheidenden Vorteil über den Kriegsgegner zu erlangen, benötigte er einen Verbündeten. Joschafat, König des Südreichs (Juda) war nicht abgeneigt zu helfen.
Eines unterschied die beiden aber eklatant: Joschafat fragte nach Gott, Ahab nur nach seinen ‚Ratgebern‘. Diese rieten Ahab zum Krieg.
Joschafat riet aber von voreiligem Handeln ab und warf den Rat ein zuerst, nach dem Wort des 'HERRN zu fragen.
Nichts leichter als das, dachte sich Ahab. Dreihundert regierungsnahe Lobbyisten in entsprechenden Abteilungen waren schnell gefunden. Ihr Rat fiel überraschend und einmütig aus: Auf jeden Fall in den Krieg ziehen! Gott mit Dir! Gott mit uns! Für Ahab war die Sache klar, glasklar. Alle seine Experten waren einhellig dafür, da konnte doch nichts schiefgehen.
Joschafat aber blieb skeptisch – Wahrheit und die Anzahl der Stimmen waren ihm nicht als ‚Zwillinge‘ bekannt.
Er fragte deshalb: „Ist hier kein Prophet des HERRN, so dass wir ihn befragen könnten?“
Ahab meinte, doch, doch, es gäbe einen, aber der hätte einen üblen Ruf und würde ihm ständig Unheil und nichts Gutes weissagen. Wo kämen wir denn hin, wenn die Chefs nur diskutierten würden? Entscheidungen sind gefragt, denn dem Tapferen gehört die Welt!
Doch Joschafat lässt sich nicht beirren. Alles müsse auf den Tisch, eben auch das Unschöne. Und wenn wir Herrscher kritisiert, unser Machtanspruch delegitimiert würde, dann vielleicht sogar dank Gottes Autorität.
So holt uns diesen Propheten!
Das unablässige Geraune der Ratgeber und Lobbyisten schwoll an. Sie umgarnten die Könige und träufelten ihnen Zusicherungen ins Ohr: “Lasst Euch ja nicht abbringen – Gott ist mit euch – Gott ist mit uns!”

Inzwischen wurde der besagte Prophet endlich durch einen Boten gefunden. Dieser klärte ihn auf: “Alle Berater sind auf des Königs Seite. Lehn dich also nicht zu weit aus dem Fenster, mach mit. Es ist ganz einfach, mach Dir keine unnötigen Probleme. Wer bist Du, dich gegen die offizielle Haltung zu stellen?”

Michas Antwort fiel ziemlich klar und eindeutig aus: „So wahr der HERR lebt: Ich will reden, was der HERR mir sagen wird!“
Nun, für Spektakel war gesorgt – schon wurden Wetten abgeschlossen, wie wohl Michas Antwort ausfallen würde.
Doch Micha knickt ein und verrät seine guten Vorsätze: „Zieh hinauf, mein König, es wird Dir gelingen!“
Der Druck ist einfach übergroß. Vor ihm sitzen zwei Könige, umringt von hunderten von Fachexperten. „Lasst mich in Ruhe, bringen wir das hinter uns.“
Ausgerechnet Ahab muss nun seinen Propheten an dessen Auftrag erinnern. Aufgebracht und barsch ermahnt er Micha: „Wie oft soll ich dich beschwören, dass du mir im Namen des HERRN nichts als die Wahrheit sagst!“
Was für ein Weckruf für den eingeschüchterten Gottesmann. Die verschlossene Tür seines Geistes wird aufgerissen und er sagt: „Darum höre nun das Wort des HERRN!“
Es folgte eine Mahnung, die jeden aufrichtigen Menschen bis ins Mark erschüttert hätte: „Ein Lügengeist von Gott gesandt, habe die ‚Fachexperten‘ finster beseelt!“

Das war nun des Guten zu viel für Ahab. Was erlaubte sich dieser Micha? Die gesamte Oberste Autorität wird öffentlich der Lüge bezichtigt und ihre guten Absichten in übelstes Licht gerückt.
Was Micha nun widerfährt ist die größtmögliche Demütigung: Der König selber ohrfeigt ihn vor aller Leute. Was Recht ist und dem Wohle aller entspricht, das lege immer noch er, der König, fest! Seit wann ist der Geist Gottes von mir gewichen und redet nun zu dir?

Für Micha ist die ‚Sache‘ gelaufen. Er hat seinen Dienst getan, seinen Auftrag erfüllt: Die Wahrheit zu reden.
Daraufhin wird er abgeführt zu Kerkerhaft bei Wasser und Brot. Doch Micha bleibt gelassen, er hat nichts zu verteidigen. Seine Aufgabe ist nur zu bezeugen.
Entsprechend fällt sein Abschiedsgruß gegenüber dem König aus: „Kommst Du mit Frieden wieder, so hat der HERR nicht durch mich geredet. Höret alle Völker!“
1. Könige 22, 28
 

Welche Ratgeber konsultierst Du? Wessen Rat zählt bei Dir?

Ja, höret!

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